“Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber…”

Johannes Kram kommt zur Lesung ins Sub

Nach der Ehe für alle verfestigt sich der Eindruck, für Lesben und Schwule sei so gut wie alles erreicht. Dabei ist Diskriminierung in Deutschland Alltag, nur etwa ein Drittel aller Homosexuellen etwa ist „out“ am Arbeitsplatz, tief sitzende Ressentiments gegen Lesben und Schwule sind nie aufgearbeitet worden. In der Mitte der Gesellschaft sind homophobe Denkmuster weit verbreitet, auch wenn diese nicht als solche wahrgenommen werden.

Das liberale, aufgeklärte Selbstbild macht eine konstruktive selbstkritische Auseinandersetzung oft besonders schwer: „Homophob? Ich doch nicht. Meine besten Freunde sind doch homosexuell!“ Kram bringt den „deutschen Sonderweg“ bei der im Vergleich zu anderen westlichen Staaten spät und leidenschaftslos eingeführten Ehe für alle in Verbindung mit der deutschen Spezialität der Homosexuellenverfolgung und dem Paragrafen 175, die nie Bestandteil gesamtgesellschaftlicher Debatten war.

Kram ist überzeugt: Wenn Heterosexuelle Homophobie nicht reflexhaft von sich weisen, sondern sich mit der strukturellen, gesellschaftlichen, aber auch mit der versteckten individuellen Homophobie beschäftigen, könnten sie eine Menge über sich selbst und die Verfasstheit unserer Gesellschaft lernen. Die schrecklich nette Homophobie in der Mitte der Gesellschaft – Lesung mit dem Autoren Johannes Kram („Nollendorfblog“).

Dienstag, 18. September, 19.30 Uhr
Sub e.V., Müllerstraße 14, 80469 München

Foto: © Markus Lücke

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